Vulkanwanderung Februar 2018

Veröffentlicht: Dienstag, 08. Mai 2018 Drucken E-Mail

Hier gibt es nun die ausführliche Version unserer Vulkanwanderung am Atitlan-See.

Freitags direkt nach der Schule haben wir uns aufgemacht zum Atitlansee, einem wunderschönen Bergsee, umsäumt von mehreren Vulkanen gelegen auf ca. 1500 m Höhe. Auf dem Weg zum See sind wir durch die Berge gefahren, haben dort viele neue Eindrücke sammeln können. Unter anderem sind wir an einer Hängebrücke vorbeigefahren, die es ca. 150 Dorfbewohnern erleichtert, von ihrem Dorf zur Hauptstraße zu gelangen.

Unser Hotel lag direkt am See. Dort haben wir den Rest des Nachmittags genossen, nach und nach sind alle Vulkanwanderer eingetrudelt. Nach dem gemeinsamen Abendessen sind alle recht früh schlafen gegangen, schließlich stand ja ein anstrengender Tag bevor. Nur wusste zu diesem Zeitpunkt noch keiner, wie anstrengend ...

Gefrühstückt wurde um 7.00 Uhr - entweder typisch guatemaltekisch (u.a. mit Bohnen) oder Obst und Müsli. Nach dem Auschecken haben sich gegen 8.00 Uhr alle versammelt, die schweren Gepäckstücke den Trägern übergeben und nur die für den Tag benötigten Sachen (Getränke, Verpflegung, Sonnencreme etc.) sich selber auf den Rücken gepackt. Zunächst ging es eine Weile durchs Dorf, dort haben wir 3 Polizisten als Wegbegleiter und Schutz eingesammelt. Etwa gegen 9.00 Uhr, die Sonne stand schon hoch am Himmel und knallte gnadenlos, begann der Aufstieg. Zunächst über sandige, staubige Wege, zum Teil recht eng, so dass wir wie die Gänse hintereinander marschierten. Drei Guias, also Bergführer, standen uns zur Verfügung, so dass wir bei Bedarf die Gruppe in drei kleine Gruppen aufteilen konnten - je nach Tempo der Wanderer. Wir haben uns vorne eingereiht und sind bei der schnellen Truppe mitgelaufen. Nach etwa 1 Stunde und 20 Minuten haben wir die 2000m-Marke geknackt, etwa 1 Stunde und 50 Minuten später die 2500m-Marke. Mittlerweile waren die Wege sehr ungleichmäßig, viele Steine, die wie Stufen wirkten, aber ihre unterschiedlichen Abstände und Tritthöhen aber keinen Laufrhythmus ermöglichten. Irgendwann hatte Jens Schwierigkeiten, hatte keine Kraft mehr, um vernünftig zu laufen. Bis zu dem Platz, an dem wir dann eine längere Pause gemacht haben, um uns zu stärken und ein wenig auszuruhen, hat jemand anderes aus der Gruppe seinen Rucksack getragen, um ihn zu entlasten. Das war schon eine große Hilfe.

Nach der Pause begann der anstrengendste Teil der Wanderung. Der Weg wurde immer steiler, immer unwegsamer, teilweise Lehm- oder sandiger, staubiger Waldboden, der zwischendurch auch sehr rutschig war. Wir kamen uns vor, wie bei den Hobbits. Die Wald- oder was auch immer Landschaft war wie in einem Fantasiefilm mit vielen Wurzeln und knorrigen Bäumen. Unser Bergführer war irgendwann nicht mehr zu sehen, denn unsere Gruppe wurde total auseinander gezogen. Wir waren noch eine Fünfergruppe, die sich den Berg hinauf quälte. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Immer, wenn jemand glaubte, keine Kraft mehr zu haben (und das war oft), kam in Anlehnung an den Spruch von Udo Bölts bei der Tour de France 1997 Richtung Jan Ullrich ein kollektives "Quäl dich, du Sau!"

Ungefähr 3 Stunden brauchten wir für die 500 Höhenmeter von 2500 m auf 3000 m. Immer wieder mussten wir kurze Pause machen, wollten nicht mehr aufstehen oder wieder zurückgehen. Irgendwo zwischen 3000m und 3200 m war dann die Baumgrenze erreicht und wir kamen an das Geröllfeld des Vulkans. Ein Weg war nicht erkennbar, wir kraxelten zwischen den großen und kleinen Steinen hindurch, teilweise auf allen Vieren, weil es immer wieder rutschig war oder die Steine sich lösten. Das war das Allerschlimmste für Annette, denn jetzt war es mächtig steil und mit Höhenangst nicht wirklich ein Vergnügen. Also immer schön nach oben gucken und bloß nicht nach unten. Irgendwann kam uns der Bergführer (ein wenig) entgegen, stand in einiger Entfernung oberhalb von uns und zeigte immer nur, wo wir her klettern sollten. So gegen 17.45 Uhr, fast bei anbrechender Dunkelheit, sind wir dann auf dem Vulkangipfel angelangt. Der erhoffte Ausblick blieb aus, es war wolkig, windig, zum Teil etwas nebelig. Wir haben uns einen Platz gesucht, wo wir unser Zelt aufbauen konnten. Die ersten aus unserer Gruppe hatten ihre Zelte bereits aufgebaut, an Stellen, an denen von unten die Vulkanwärme zu spüren war. Einen solchen Platz haben wir leider nicht ergattern können. Wir haben von den Trägern unsere Sachen geholt und versucht, schnell das Zelt aufzubauen. Es war aber nasskalt und windig, deswegen war das nicht so einfach. Als das Zelt stand, haben wir noch die Luftmatratzen aufgeblasen und die Schlafsäcke ausgepackt. Jens war so müde und körperlich am Ende, dass er wie tot in den Schlafsack gefallen und ohne Essen auf der Stelle eingeschlafen ist. Aber auch Annette und Merle waren so erschöpft und eigentlich nur genervt, dass es so anstrengend war, dass sie noch schnell ein bisschen Instantsuppe mit heißem, bzw. eher warmen Wasser getrunken haben und etwas labbriges Toast. Danach haben wir versucht zu schlafen, mit allen Anziehsachen an, Jacke und Schlafsack, da es ziemlich kalt wurde.

Übrigens die Langsamsten aus der gesamten Gruppe sind erst in der Dunkelheit oben angekommen, mussten das letzte Stück im Dunklen zurücklegen.

In der Nacht wurde es empfindlich kalt, es hat geregnet, und dazu war der Zeltplatz uneben. Eine geruhsame Nacht sieht anders aus...

Am nächsten bei Sonnenaufgang wurden wir mit einem tollen Blick etwas entschädigt. Aber auch jetzt war es sehr windig und frisch. Immer wieder zogen auch Wolken auf. Nach dem Frühstück, na ja, alles was wir noch so zu essen hatten und Zeltabbau gab es das obligatorische Gruppenbild. 

Auf dem Weg zum Abstieg sahen wir eine Gruppe Dorfbewohner, hauptsächlich Frauen und Kinder, die eine religiöses Ritual veranstaltet haben. Sie trugen keine spezielle Kleidung, zum Teil ihre traditionellen Trachten. Und schon gar keine Wanderschuhe oder ähnliches, sondern teilweise einfache Sandalen. Wir haben uns schon gewundert, wie sie es mit diesen Schuhen auf den Vulkan geschafft haben. Und als wir dann wieder abgestiegen sind, kam für unsere Fünfergruppe die große Überraschung. Es gab einen Zick-Zack-Weg durch das Geröllfeld. Wenn wir den am Abend vorher hätten gehen können, wäre uns einige Mühe erspart geblieben. Hätte uns der Guia auch mal zeigen oder sagen können...

Auch beim Abstieg wurde die Gruppe ganz schnell auseinander gerissen. Wir waren diesmal in der mittleren Gruppe zu sechst mit einem Guia. Als wir an einer Stelle auf die Langsamen warten sollten, haben wir uns geweigert. Plötzlich stand der Guia der schnellen Gruppe vor uns und wollte uns zu seiner Gruppe bringen, die würde weiter unten Pause machen und warten. Aber der Guia legte ein solches Tempo vor, da konnten wir nicht mithalten, er ist mehr gerannt als gegangen. Also haben wir unser Tempo gemacht und sind die meiste Zeit ohne Guia bergab gewandert. Wieder knallte die Sonne, und der "Muskelkater" machte uns arg zu schaffen. Dennoch waren wir um einiges schneller als beim Aufstieg am Vortag. Kurz vor dem Ende des Abstiegs trafen wir dann auf die schnelle Gruppe, die gewartet hat. Zusammen haben wir die letzten Meter ins Dorf zurückgelegt. Im Dorf selber haben wir drei dann ein Tuk-Tuk zum Hotel genommen, wir waren mit unserer Kraft am Ende. Am Hotel haben wir unsere Sachen eingesammelt, die die Träger bereits dort abgelegt haben und haben uns dann auf den Rückweg  gemacht.

Auch wenn wir nach dem Wochenende gesagt haben, nie wieder einen Vulkan zu besteigen, wird es doch nicht das letzte Mal gewesen sein. Vielleicht nicht mehr dieser Vulkan, aber ein anderer ganz sicher. Denn der Vulkan Atitlan ist sozusagen die Königsetappe der Vulkantouren, und das haben wir ja jetzt schon geschafft ...

 

Bilder zur Vulkanwanderung gibt es hier...

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